Weihnachten ist ein Hoffnungsschimmer!

Dieses Foto habe ich im Tannheimer Tal gemacht. Ein Kurzurlaub über meinen 50. Geburtstag. Es war ein trüber Tag, die schöne Landschaft war in Nebel gehüllt – enttäuschend. Bei einer kurzen Rast am Haldensee rissen um den Gipfel der Roten Flüh herum die Wolken auf und der Blick zum Gipfelkreuz und zum blauen Himmel war für einen Augenblick frei. Und der Blick zu den Bergwanderern, die dort oben standen. Auch sie werden sich bestimmt sehr über diesen Moment gefreut haben.

Wie sehr sehnen wir uns doch in unserer Zeit und in unserem Leben nach solchen Lichtblicken. Dass der Krieg in der Ukraine endet. Dass Angst verschwindet, Trauer getröstet wird. Dass ein Freund oder ein Familienmitglied gesund wird. Dass der Blick zum Kreuz frei und der Glaube gestärkt wird. Dass die Hoffnung siegt!

Es ist das Volk Israel, dass zu Gott ruft: HERR, wende Dich uns wieder zu! Versteck Dich nicht im Himmel und überlasse uns nicht uns selbst, unseren Irrwegen! Gott vergisst sein Volk nicht. 1948 hat er dies bewiesen, als die Gründung des Staates Israel geschah, fast 2000 Jahre, nachdem die Römer den Tempel in Jerusalem zerstört und die Juden vertrieben hatten.

Wir produzieren einen Film zum 75. Geburtstag Israels. Ich werde – so Gott will und wir leben – endlich mal wieder nach Israel reisen. Ich werde wieder in diesem Land sein, wo das Wirken Gottes ganz besonders spürbar ist. In meinem Leben habe ich immer wieder das Wirken Gottes gespürt, Lichtblicke erlebt!

Weihnachten ist ein riesiger Lichtblick, ein großer Hoffnungsschimmer: Der Himmel reißt auf, Licht kommt in die Finsternis. Gott ist spürbar!

Timo Roller

#schalom75: Filmproduktion zu 75 Jahre Israel

In Zusammenarbeit mit Aseba e.V. Deutschland und Zedakah e.V. sind wir dabei, eine Filmdokumentation zu produzieren, die das 75-jährige Jubiläum der Gründung des modernen Staats Israel feiert: #schalom75 – Gottes einzigartige Treue.

Die Premiere wird in genau acht Monaten sein, am 14. Mai 2023 im iP-Zentrum in Maisenbach bei Bad Liebenzell. Dann jährt sich der Unabhängigkeitstag Israels nach christlichem Kalender zum 75. Mal. In Israel wird bereits über zwei Wochen früher gefeiert: Der Jom haAtzma’ut 2023 beginnt nach jüdischem Kalender am Abend des 25. April.

Einen ersten Trailer gibt es seit wenigen Tagen auf dem YouTube-Kanal von Aseba. Begleitend zur Produktion wollen wir endlich unser Online-Projekt Einzigartiges Israel überarbeiten und aktualisieren.

Zwei Reisen – und viele Fragezeichen

Am Ostermorgen mit dem Flugzeug Richtung Sonnenaufgang: Der April könnte ein ereignisreicher Monat werden! Zum zweiten Mal findet am 13. April an der Universität Sirnak im Südosten der Türkei ein Noah-Symposium statt. Und zum zweiten Mal nach 2013 habe ich mich dort mit einem Beitrag beworben und dieser wurde akzeptiert. Obwohl zunächst nur auf Türkisch angekündigt und mit der Einschränkung, die Reisekosten seien selber zu finanzieren, hat sich nun noch einiges zum Positives gewendet: Es gibt eine englische Version der Seite und mein texanischer Forscherfreund Bill Crouse, der Maßgebliches in der Forschung des Bergs Cudi geleistet hat, und ich wurden nach unseren Daten gefragt für die Buchung des Flugs.

Direkt anschließend ist eine weitere Reise geplant und bereits gebucht: Vom 22. bis 26. April möchte ich mit Schuldekan Thorsten Trautwein nach Israel fliegen. Mordechai Papirblat feiert am 25. April seinen 97. Geburtstag und wir wollen ihm persönlich die deutsche Ausgabe seines Buches »900 Tage in Auschwitz« überreichen. Die Dokumentation dieser Übergabe könnte dann am 1. Mai in Maisenbach gezeigt werden, wo Projektpartner Zedakah e.V. nicht nur sein jährliches Israel-Freundestreffen abhält, sondern auch das 60-jährige Jubiläum feiert.

»Könnte« – habe ich eingangs geschrieben. Waren es bei den ersten Planungen noch Fragen wie: »Wird Mordechai Papirblat gesund genug sein, um Besuch zu empfangen?« oder »Wie entwickelt sich die politische Lage an der türkisch-syrischen Grenze?« beschäftigt uns inzwischen vor allem ein Thema: Der Corona-Virus! Israel hat sein Staatsgebiet völlig abgeriegelt, Deutschland zunächst zum Risikogebiet erklärt und inzwischen alle Besucher »ausgeladen«. Touristen, die im Land sind, werden nachhause geschickt. Die Türkei, bisher erstaunlich lange virusfrei geblieben, hat nun gerade seine ersten Corona-Fälle vermeldet. Es ist im Moment nicht absehbar, wie es weitergehen wird.

Hier, in meiner unmittelbaren Umgebung, werden einerseits massenweise Veranstaltungen abgesagt, andererseits schüttelt man sich anderswo ganz unbedarft die Hände oder fährt ins Stadion.

Im Angesicht des Corona-Virus ist die Planungssicherheit gleich null!

Es sind noch einmal aktualisierte Flyer eingetroffen für das archäologische Tagesseminar in Nagold am 28. März. Ich möchte (»könnte«!) eine weitere Einladungsrunde starten, es geht in die heiße Phase der Vorbereitungen, Catering bestellen, letztes Briefing mit den Referenten. Aber: Kann die Veranstaltung überhaupt durchgeführt werden? Stand heute ist alles in der Schwebe, möglicherweise werden wir am Freitag eine Entscheidung treffen.

Dennoch geht natürlich einiges voran: Das bereits erwähnte Buch »900 Tage in Auschwitz« steht kurz vor der Fertigstellung und soll nächste Woche in den Druck gehen.

Das englischsprachige Paper »Pilgrims to Noah« für das Sirnak-Symposium ist verfasst und wird nach letzten Korrekturen am Wochenende eingereicht.

Am Montag, den 2. März 2020 haben in Sulz auf der Fläche der zukünftigen Steinbrucherweiterung Ausgrabungen stattgefunden, leider mit ernüchterndem Ergebnis: Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich noch ausführlicher darüber schreiben.

Ein anderes heimatgeschichtliches Projekt hat sich allerdings aufgetan: Bilder von archäologischen Grabungen bei der Kirchenrenovierung 1961 in Sulz sind aufgetaucht. Und: MORIJA hat die EDV- und medientechnische Arbeit für »Breitlings digitale Dorfchronik« verantwortet, ein Artikel ist im Schwarzwälder Boten erschienen.

Es läuft also einiges, und da ich sowieso meist im Homeoffice arbeite, wird mir sicher auch in nächster Zeit nicht langweilig. Aber für die angedachten Unterwegs-Termine, das »Salz in der Suppe« der MORIJA-Arbeit, sieht es derzeit heikel aus. Die nächsten Tage werden entscheidend: Wird der April ein spannender Reisemonat? Oder eher ein Zeitpuffer für unspektakuläre Büro- bzw. Produktionsarbeit?

Timo Roller

Frohe Weihnachten!

»Ich will diese Stadt beschirmen, dass ich sie errette um meinetwillen.« (2. Könige 19,34)

Kitschiger Kommerz! Was haben die Weihnachtsmänner mit diesem Bibelvers zu tun? Ich habe sie in der Stadt fotografiert, um die es im Bibelvers geht: Jerusalem.

Zwei Fragen habe ich mir gestellt: Wie hält die Schokolade, die da drin sein müsste, direkte Sonneneinstrahlung bei sommerlichen Temperaturen aus? Und: Waren diese Nikoläuse noch da oder schon da, als ich sie im Mai fotografierte? Weiter weg von Weihnachten geht kaum!

Jerusalem ist bunt und vielfältig und faszinierend. Im Hiskiatunnel habe ich den Galileo-Moderator Stefan Gödde kennengelernt, dessen neues Buch genau davon erzählt: von unterhaltsamen und ernsten Geschichten aus Jerusalem. In einer davon kommen wir vor: »schwäbische Tunnelforscher« auf den Spuren Hiskias! Ein empfehlenswertes Büchlein mit dem Titel: »Nice to meet you, Jerusalem«.

Der Bibelvers aus 2. Könige 19,34 handelt von der Zeit König Hiskias: Kein Heer von Weihnachtsmännern, sondern ein Heer von assyrischen Soldaten stand vor den Toren der Stadt. Hiskia und seine Jerusalemer waren vorbereitet: Mit riesigem Aufwand hatten sie einen Tunnel gegraben, der das lebensspendende Quellwasser ins sichere Innere der Stadt leitete. Aber dennoch sprach Gott durch den Propheten Jesaja: »Und ich will diese Stadt beschirmen, dass ich sie errette um meinetwillen und um meines Knechtes David willen.«

Vernunft und Gottvertrauen, beides gehörte zusammen – so war es vor 2700 Jahren und ähnlich ist es noch heute: Israel hat zum Schutz vor feindlichen Raketen das Abwehrsystem »Iron Dome«, die Eiserne Kuppel. Aber Gottes Schirm und Schutz sind trotzdem unverzichtbar.

Unsere Arbeit bei MORIJA spiegelt das auch wieder: Wir planen, machen, bringen Dinge voran. Doch ohne Gottes Zutun wäre es schwierig bis unmöglich. So haben wir bei der Finanzierung unseres sehr aufwendigen Papierblatt-Projekts manches Wunder erlebt!

Dieses Projekt hat das Jahr 2019 sehr geprägt: Eine Reise nach Auschwitz und ein Besuch bei Mordechai Papirblat in Israel waren bewegende Höhepunkte. Wir werden in Kürze Papirblats Biografie veröffentlichen – und laden mit ein zu einer Tagung zum Thema Auschwitz nach Bad Liebenzell. Das Gedenken an den Holocaust ist nach wie vor wichtig! Es gilt, die richtigen Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und dem Judenhass heute in verschiedensten Milieus entgegenzuwirken.

Nikoläuse und Assyrer, Jerusalem und Auschwitz: Heiteres und Todernstes liegen oft so nah beieinander: Auch an Weihnachten, wo die Finsternis und Gottesferne durch Jesus Christus, das Licht der Welt, durchbrochen wurde! Ich bin froh, dass Gott uns in allem begleitet und durchträgt.

Timo Roller

Veranstaltungsmarathon – ein Rückblick

Im Museum in Bozen (Südtirol): Ötzi (links) und ich. 😉

Nachdem ich im Familienurlaub die Gelegenheit hatte, mich ein wenig auf die Spuren Ötzis zu begeben und neue Inspriationen für unser Urmenschen-Projekt zu sammeln, begann Anfang September ein fast dreiwöchiger Veranstaltungsmarathon.

Ein wichtiger Baustein für die zukünftige Arbeit unseres CVJM Sulz am Eck e.V. mit dem neuen Gemeinschaftshaus war am 5. September die Eröffnung des Cafés am Bach. Ehrenamtlich war ich dabei für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das Café am Bach hat donnerstags von 14.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

Am Tag des offenen Denkmals (8. September) machten wir eine Tour durch meinen Heimatort Sulz am Eck. Über 40 Interessierte begleiteten Heide Dittus vom Schwarzwaldverein und mich durch den Ort, um an verschiedenen Stellen Geschichte zu erleben. Der Gäubote schreibt über meine Ausführungen in der Michaelskirche: »Für 2020 ist hier eine Renovierung geplant, wie Timo Roller erzählte. Diesmal jedoch befassten sich die Besucher eher mit der Chorsakristei und dem Sakramentshäuschen aus vorreformatorischen Zeiten. Erst vor kurzem wurde in der Kirche ein über 500 Jahre altes Hostienkästchen entdeckt, das in das Sakramentshäuschen gehört.« Zum Abschluss der Wanderung im Gemeinschafthaus präsentierte ich darüber hinaus noch Fotos aus dem Judenbad in Wildberg sowie Funde, die von »Siedlungsspuren über der Sulzer Burghalde« zeugen.

Ein »Fenster zur Vergangenheit der Bibel« war die diesjährige Archäologietagung der Studiengemeinschaft Wort und Wissen auf dem Schönblick in Schwäbisch Gmünd vom 13. bis 15. September. Dort war MORIJA mit einem kleinen Stand vertreten und ich erzählte Interessierten von unserer Arbeit.

Dabei kam auch erstmalig unser neues Magazin »#bibelabenteurer« unter die Leute: Es enthält Kurzfassungen einiger Artikel, eine Vorstellung aktueller Projekte sowie einen Einblick in Forschungen, die erst noch ausgearbeitet werden müssen. Auch faszinierende Menschen stelle ich vor: Mordechai Papirblat, Namensgeber unseres Holocaust-Projekts und 96-jähriger Auschwitz-Überlebender. Ulrich Romberg, der das Wassersystem der Jerusalemer Davidstadt jahrzehntelang erforscht hat. Und Stefan Gödde, den Moderator der Wissens-Sendung »Galileo«, dem wir im Hiskia-Tunnel begegnet sind und der im Vorwort von unserem denkwürdigen Zusammentreffen berichtet. Gerne können Sie das Magazin in gedruckter Form bei uns anfordern, auch mehrere Exemplare zum Weitergeben. Es ist kostenlos, wir freuen uns aber natürlich jederzeit über Spenden für unsere Medien- und Forschungsprojekte. Lassen Sie sich inspirieren und werden Sie selbst zum Bibelabenteurer!

Ausstellungsstand auf dem Schönblick

Etwa 400 Menschen haben den Israelkongress vom 19. bis 22. September auf dem Schönblick besucht, einen Artikel darüber hat das Pro Medienmagazin veröffentlicht. Zu dritt haben wir am Ausstellungsstand die Arbeit von MORIJA und ASEBA vorgestellt. Darüber hinaus konnte ich zwei gut besuchte Seminare zur »Archäologie Jerusalems« halten.

Angesichts des zunehmenden Antisemitismus, der unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger bedroht sowie die Werte unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft verletzt, veranstaltete das baden-württembergische Innenministerium gemeinsam mit der Israelitischen Religionsgemeinschaft am vergangenen Montag einen Fachtag zum Thema »Antisemitismus – Jüdisches Leben in Deutschland zwischen Sicherheit und Unsicherheit«. Wir konnten dort unser Papierblatt-Projekt einem interessierten Publikum präsentieren und freuen uns über positives Feedback. Auch die Jüdische Allgemeine hat ausführlich über die Veranstaltung berichtet.

Timo Roller
27.9.2019, KW39

Gruppenbild beim Fachtag – Papierblatt-Team und die politischen Akteure: Schuldekan Thorsten Trautwein, Innenminister Thomas Strobl, Antisemitismusbeauftragter Michael Blume, Frank Clesle von Zedakah und Timo Roller von Morija (v.l.n.r.)

Bibelabenteurer-Magazin und Veranstaltungen im September (und darüber hinaus)

In letzter Zeit war sehr viel los. Darunter hat die Öffentlichkeitsarbeit etwas gelitten und das ist natürlich schlecht. Daher eine Übersicht in Kürze:

Am 2. September erscheint unser (kostenloses) Magazin »Bibelabenteurer« als Ergänzung zur Website. Darin enthalten sind einige Artikel über biblische Themen: »Auf den Spuren Abrahams: Von Haran ins Heilige Land«, »Ära des Untergangs: Die Zeit von Daniel«, »Eine Momentaufnahme der Auferstehung? Das geheimnisvolle Turiner Grabtuch« und »Jerusalem: Expedition mit Tunnelblick«. Das Magazin gibt auch einen Überblick über die Arbeit von MORIJA und ASEBA Deutschland, das Projekt »Papierblatt« wird ebenfalls vorgestellt. Wir freuen uns, dass Stefan Gödde ein Vorwort dafür geschrieben hat. Er ist bekannt als Galileo-Moderator und ihn haben wir 2018 im Hiskiatunnel getroffen. Ein sympathischer Typ mit einem erfreulichen Gespür für das wirklich Wichtige im Leben.

Im September stehen einige Veranstaltungen auf dem Programm, bei denen wirals MORIJA mit dabei sind und das Magazin teilweise unter die Leute bringen wollen:

Tag des offenen Denkmals: Am Sonntag, 8. September lautet das Thema des bundesweiten Thementags: »Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur«. Heide Dittus und ich werden in Sulz am Eck auf einem Spaziergang durchs Dorf ab 13:30 Uhr (Treffpunkt Gemeindehalle) diesem Jahresthema auf der Spur sein. Wir machen eine Runde durch das neugestaltete »Kloster«, besichtigen das Gemeinschaftshaus mit einer schön gestalteten Vitrine zum Thema »Kirche, Kinderkirche und Konfirmation«, gehen dann an der Kirche vorbei zum Friedhof, wo vor kurzem verschiedene Grenzsteine dem Grubstock hinzugefügt wurden. Wer möchte, kann anschließend noch zum Brauni-Treff auf dem CVJM-Freizeitgelände zu Kaffee und Kuchen mitgehen.

In Schwäbisch Gmünd findet vom 13. bis 15. September 2019 im Gästezentrum Schönblick die Tagung für Biblische Archäologie der Studiengemeinschaft Wort und Wissen statt. MORIJA wird dort mit einem Infostand präsent sein. Die Tagung trägt den Titel: »Fenster zur Vergangenheit der Bibel: Assyrien, Ägypten und die Süd-Levante: Chronologie, Geschichte, Bilderkunst und Epigraphik«.

Am darauffolgenden Wochenende findet ebenfalls auf dem Schönblick der Israel-Kongress »Israel – Licht der Welt?!« statt, von Donnerstag, 19. bis Sonntag, 22. September. Dort werden wir gemeinsam mit ASEBA Deutschland unsere Arbeit präsentieren. Im Rahmen der Seminare werde ich Einblick geben in »Die Archäologie Jerusalems: Auf den Spuren von Hiskia, Salomo und Abraham«.

Eine besonders wichtige Veranstaltung ist der »Gemeinsame Fachtag Antisemitismus« des baden-württembergischen Innenministeriums und der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Stuttgart. Unser Zeitzeugen-Projekt »Papierblatt« wird dort am Nachmittag dem Publikum vorgestellt.

Die Vorbereitungen für all diese Dinge haben mich in den letzten Wochen in Trab gehalten, dazu viele weitere laufende Film- und Web-Projekte. Die Veröffentlichung einer neuen ASEBA-Bibel-Multimedia-Präsentation wird hoffentlich in diesem Jahr noch gelingen, die Übersetzung der Biografie des Holocaust-Überlebenden Mordechai Papirblat ist angelaufen und das Buch soll im Januar 2020 erscheinen.

Denn auch 2020 sind schon zwei interessante Veranstaltung unter Mitwirkung von MORIJA geplant:

Eine Tagung zu »75 Jahre Befreiung von Auschwitz« mit einem Vortrag einer Auschwitz-Überlebenden am Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar.

Ein Tagesseminar »Bibel und Wissenschaft« der Zellerstiftung in Nagold mit dem Titel »Showdown in Jerusalem« mit archäologischen Erkenntnissen und biblischen Gedanken über die Zeit von Hiskia, Jesaja und Sanherib. Termin: Samstag, 28. März 2020.

Es läuft also allerlei Interessantes parallel – auch die Erforschung der »Siedlungsspuren« geht in die neue Runde, nachdem die entsprechenden Ackerflächen nun abgeerntet sind. Darüber mehr beim nächsten Mal.

Viele Grüße
Timo Roller
16.8.2019, KW33

Vier Tage auf der Suche nach Spuren der Vergangenheit

Eine kurze und intensive Reise nach Israel liegt hinter uns: Thorsten Trautwein, Schuldekan der Kirchenbezirke Calw-Nagold und Neuenbürg, flog mit mir am vergangenen Samstagabend in Zürich los. Wichtigster Anlass des Kurztrips war der Besuch bei Mordechai Papirblat, dessen Namen wir vor einigen Jahren für unser gemeinsames Projekt gewählt hatten: »Papierblatt – Holocaust-Überlebende berichten«.

Nach Nachtflug und Zugfahrt kamen wir am Sonntag pünktlich zum Frühstück in Maalot an, wo unsere Freunde von Zedakah ein Pflegeheim für Holocaust-Überlebende betreiben.

Rachel M., eine Bewohnerin, erzählte uns und der Kamera ihr bewegendes Schicksal. Wir werden das Interview für www.papierblatt.de aufbereiten.

Danach fuhren wir nach Kapernaum, wo wir Fotos und Filmaufnahmen für ein Fortbildungsprojekt des Schuldekans machten.

Entlang des Sees Genezareth ging es zum Kibbuz Gesher: Dort lebte Mordechai Papirblat nach seiner Ankunft im heutigen Israel 1946 für ungefähr ein Jahr. Die Ruinen des ursprünglichen Kibbuz direkt am Grenzzaun zu Jordanien sowie ein unterirdischer Bunker zeugen von den Spannungen, die damals vor und nach der Staatsgründung das Leben und die Existenz der Neuankömmlinge bedrohten. Im Archiv am heutigen Standort des Kibbuz forschten wir nach Bildern und Informationen – und tatsächlich fand sich die Registrierungskarte Mordechai Papirblats mit Foto in einer alten Holzbox.

Zurück in Maalot, wegen Straßensperrung am Berg Tabor vorbei, freute ich mich nach 37 Stunden wieder mal auf ein richtiges Bett.

Am Montag fuhren Gideon Bayer zusammen mit Thorsten und mir nach Süden, zum eigentlichen Anlass der Reise: Einem Besuch bei Mordechai Papirblat.

Zwischenstop machten wir in Atlit, dem Auffanglager, in dem er nach seiner Ankunft im damals britischen Mandatsgebiet zunächst als »illegaler Einwanderer« festgehalten wurde. Wenige Monate nach dem Holocaust erlebte er erneut ein Leben hinter Stacheldraht, mit Sammelduschen und Desinfektionsanlagen. Die Baracken waren allerdings relativ bequem eingerichet, man hatte persönliche Gegenständen und keine ständige Angst vor dem Tod wie in den deutschen KZs.

Im Gespräch mit einer Verantwortlichen der heute für Besucher offenen Gedenkstätte bekamen wir Einblicke in die Fluchtbewegungen der Juden aus Europa, Thorsten Trautwein forschte weiter, während ich unter Zeitdruck noch etliche Bilder vom Lager machte.

Mit einer halben Stunde Verspätung kamen wir in Ramat Gan an und wurden von Mordechai und seinem Sohn Zvi Papirblat herzlich empfangen. 4,5 Stunden lang dauerte der Besuch und die Zeit verging wie im Flug. Thorsten, der sich intensiv mit der Lebensgeschichte Mordechais befasst hatte, stellte viele Fragen über die Zeit vor und nach dem Krieg. Über die Details also, die normalerweise in den Lebensberichten (siehe hier und hier) nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Beeindruckend, an wieviele Details sich der 96-Jährige noch erinnern kann. »Es gedenkt mir noch«, sagte er immer wieder in seinem besonderen Deutsch-Jiddisch. Meist konnten wir uns sehr gut mit ihm direkt unterhalten, nur hin und wieder erklärte ihm Gideon Bayer die Fragen auf Hebräisch.

Zvi gab Einblicke in die Familiengeschichte – eine sehr kleine Familie, ohne Onkel, Tanten, Nichten, Neffen. Denn Mordechai war der einzige aus seiner ganzen Verwandtschaft, der den Holocaust überlebt hat. Und der einzige, der nach dem Zweiten Weltkrieg noch diesen besonderen Namen trug: »Papirblat«. Mein Name ist ein Denkmal, pflegt er zu sagen. Mittlerweile ist die Papirblat-Familie gewachsen: Mordechai hat zwei Söhne, drei Enkel und seit kurzem sogar zwei Urenkel!

Trotz der langen Zeit, die wir bei Papirblats waren, hatten wir den Eindruck, es würde noch unglaublich viel zu erfahren geben. Mordechai und Zvi waren gerne bereit, sich mit uns noch einmal für den darauffolgenden Abend zu einem weiteren Besuch zu verabreden.

Thorsten und ich ließen den Tag im malerischen Sarona-Viertel ausklingen, einer ehemaligen Templer-Kolonie. Dort aßen wir neben einem Mc Donalds und zwischen vielen Hochhäusern leckeres Fladenbrot mit Humus.

Am Dienstag ging es früh los, über die neue Zugverbindung hinauf nach Jerusalem, dann um die Altstadt herum mit dem Bus zur Davidstadt, dorthin wo in Israel alles begann.

Schnell Eintritt bezahlt, die nötige Ausrüstung in die Taschen gesteckt und den Rest ins Schließfach. Dann ohne weitere Verzögerung zum Eingang des unterirdischen Bereichs und zügig zum Hiskiatunnel. Als allererste waren wir dort und hatten im Tunnel genügend Zeit für ein paar Nachuntersuchungen: Ein Blindstollen, der Zusammenschluss in der Mitte des Tunnels, ein Schacht am Ende, der Ausgangsbereich: Hier hatten wir – quasi im Auftrag von Ulrich Romberg (siehe »Expedition mit Tunnelblick«) – noch ein paar Messungen und Untersuchungen an den Wänden vorzunehmen: Spuren der Werkzeuge, Kalkausblühungen, Putzreste. Einige neue Beobachtungen und Bilder – zum Teil nur mit UV-Licht fotografiert – werden in nächstet Zeit zu verwerten sein.

Nach dem Ausstieg aus dem Tunnel ging es wieder hinauf zum Eingang, um unser Gepäck zu holen. Auf einen zweiten Durchgang durch den Warrenschacht, bei dem wir durch den (trockenen) Kanal 2 hindurch wollten, verzichteten wir wegen des inzwischen sehr groß gewordenen Andrangs. Wir stiegen außerhalb die Treppe hinab zum Quellgebäude und dann durch das Kidrontal hinunter zum Siloahteich. Von dort dann durch den Entwässerungskanal aus der Zeit Jesu hinauf Richtung Altstadt.

Wir schlenderten zur Klagemauer, dann durch das muslimische Viertel: von einer Treppe aus ein kurzer Blick zum Felsendom, weiter ließen uns die schwerbewaffneten Polizisten an dieser Stelle nicht. Durch den Shuk querten wir die Via Dolorosa, bevor wir die Altstadt durch das Damaskustor verließen.

Pünktlich kamen wir mit der neuen Straßenbahn an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an, wo wir um 14.30 Uhr einen Termin mit einer deutschen Mitarbeiterin im European Department hatten. Wir tauschten uns aus über Holocaust-Didaktik und gewannen wertvolle Erfahrungen aus der Arbeit in dieser bemerkenswerten Einrichtung. Es blieb dann noch kurz Zeit für den Besuch der Ausstellung, der Kinder-Gedenkstätte, des Kunstmuseums und der »Allee der Gerechten«.

Schon mussten wir uns auf den Rückweg nach Tel Aviv machen, wo wir am Abend ein weiteres Mal Mordechai Papirblat besuchen konnten. Zu einigen Details hatte Thorsten noch weitere Fragen aufgeschrieben, die der alte Mann geduldig und mit wachem Geist beantwortete. Diesmal hielten wir den Besuch natürlich kürzer, nach etwas mehr als einer Stunde verabschiedeten wir uns endgültig.

Den letzten halben Tag am Mittwochvormittag nutzten wir zu einer Ausfahrt an den Strand und einem Spaziergang nach Jaffa, wo ich selbst noch nie war. Erst nun, während meines neunten Aufenthalts in Israel, besuchte ich die alte Hafenstadt, von wo Jona auf einem Schiff Richtung Tarsis floh, um Gottes Auftrag zu entkommen. Ein Brunnen erinnert an den großen Fisch, der ihn verschluckte und wieder an Land spuckte. Aus frischgepressten Jaffa-Orangen trank ich quasi am Originalschauplatz den besten Orangensaft meines Lebens.

Und dann, nach der Mittagszeit, verließen wir schwitzend das heiße Israel und flogen zurück in die deutlich kühlere Heimat.

Nächste Woche in Jerusalem

Am kommenden Samstagabend starten wir zu zweit, Schuldekan und Papierblatt-Projektpartner Thorsten Trautwein und ich, zu einem Kurztrip nach Israel. Wenn wir am Sonntag in aller Frühe landen, werden sich wohl die After-Show-Partys des Eurovision-Songcontests in Tel Aviv schon dem Ende zuneigen und wir werden auch gleich weiter in den Norden reisen.

In Maalot besuchen wir das Altenpflegeheim für Holocaust-Überlebende von Zedakah. Am Montag geht es dann schon wieder Richtung Tel Aviv, wo wir einige Orte besuchen, die mit dem Leben von Mordechai Papirblat zu tun haben, dem Auschwitz-Überlebenden, nach dem wir unser Projekt benannt haben. Auch ihn selber werden wir besuchen.

Am Dienstag geht es dann mit der neuen Bahnverbindung nach Jerusalem, vormittags sind einige weitere Forschungen in der Davidstadt geplant, am Nachmittag haben wir einen Termin in der Gedenkstätte Yad Vashem.

Und am Mittwoch werden wir bereits wieder die Heimreise antreten.

Auf Facebook werde ich hin und wieder berichten, hier auf dieser Seite dann erst am Ende der Reise. Wer etwas mehr Informationen möchte, kann sich gerne mit seiner Handynummer bei mir melden, es gibt eine WhatsApp-Gruppe mit den aktuellsten Infos von der Reise.

Timo Roller
14.5.2019, KW20

Papierblatt-Weiterentwicklung

Foto: Roland Mayer, vielen Dank!

Am 1. Mai habe ich mit einem kleinen Infostand bei Israel-Freundestreffen bei Zedakah in Maisenbach unser gemeinsames Projekt »Papierblatt – Holocaust-Überlebende berichten« vorgestellt. Den Zeitzeugenbericht von Ben Zion Sela habe ich am Nachmittag aufgenommen und er soll demnächst unserem Videoarchiv hinzugefügt werden. Auch darüber hinaus standen die letzten beiden Wochen im Zeichen des Projekts: die weitere Strategie, technische Überlegungen und Reiseplanungen standen auf dem Programm.

Daneben wurden einige Webprojekte weiterentwickelt, z.B. ist die Homepage www.im-wachsen.de nun bereit für die neue Saison in der Wachsenden Kirche in Nagold.

Gottverlassen?

Am Tag vor Karfreitag steht mir dieses Jahr, einen Monat nach dem Besuch in Auschwitz, die Theodizee-Frage besonders vor Augen: die Frage, warum ein allmächtiger Gott Leid zulässt. Sie hat viele Christen im Lauf der Kirchengeschichte beschäftigt. Viele Atheisten schlussfolgern: Gott existiert nicht. – Warum scheint diese Welt manchmal so von Gott verlassen?

Die Asche der Opfer von Auschwitz wurde hinten in den Wäldern verteilt, Gruben und Teiche wurden aufgefüllt. Manchmal verbrannte man Leichen unter freiem Himmel, wenn die Kapazität der Krematorien nicht ausreichte. Es gibt einige wenige illegal gemachte Fotos davon. Und dort, ganz hinten, waren während unseres Besuchs die Pfützen auf den Wiesen immer noch gefroren, obwohl es in den letzten Tage gar nicht so kalt gewesen war. Hier scheint der kälteste Ort auf Erden zu sein. Wo war Gott in Auschwitz?

Ein Theologe hat kürzlich in einem Vortrag über die Sintflut gesprochen. Er hat Gott quasi Völkermord vorgeworfen. Wo war Gott, als unschuldige Menschen starben? Oder ganz aktuell: Eine der wichtigsten Kirchen der Welt steht in Flammen. Notre Dame, mitten in Paris, mitten in Europa. Wo war Gott?

Morgen ist Karfreitag: »Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!« schrie Jesus am Kreuz. Wo war Gott auf Golgatha? Hat er seinen Sohn verlassen?

Auch wenn sich die Frage nach dem Warum wohl nicht lösen lässt, lüftet das Buch Hiob ein wenig den Blick »hinter die Kulissen«: Gott lässt sich auf ein »Experiment« mit dem Satan ein. Er lässt zu, dass Hiob Leid widerfährt. Hiob selbst bekommt diese Erklärung allerdings nicht. Gott fragt ihn nur: »Willst du mein Urteil zunichtemachen und mich schuldig sprechen, dass du recht behältst?« Gott zeigt ihm: Ich bin größer. Und schenkt ihm dann einen Neuanfang.

Einen ähnlichen Perspektivwechsel verdeutlichen auch diese Verse: »Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.« (Jesaja 55,8–9)

»Hinter den Kulissen« beweist Gott dem Bösen, dass Hiob am Glauben festhält. Mit Noah überlebt ein Gehorsamer die Katastrophe. Das Unheil, das Böse siegen nicht endgültig. Ein Foto aus dem Innern der zerstörten Kathedrale Notre Dame zeigt das Kreuz, das heil geblieben ist. Gottes Gnade hat den längeren Atem.

Während unseres Besuchs sahen wir in Auschwitz junge Menschen aus Israel, die auf ihren blau-weißen Flaggen stolz den Davidstern trugen, zuvor Zeichen der Ausgrenzung in Nazideutschland. Das Böse hat nicht gesiegt. Das Volk Israel lebt und ist – ganz wie der Prophet Hesekiel andeutet – aus dem Totenfeld auferstanden: »Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels.« (Hesekiel 37,12) – Die Israel-Flaggen haben mich zutiefst bewegt, ich habe sie als Zeichen der Hoffnung verstanden.

Und wir haben in Auschwitz auch einen Regenbogen erlebt. Das Zeichen Gottes für den Neuanfang über der Arche. An Karfreitag wissen wir: Es steht wieder ein Neuanfang bevor. Das Grab ist an Ostern leer. Der Tod ist überwunden. Gott ist nicht weggeblieben, nie weggewesen. Das ist die Botschaft von Ostern: Die Gottverlassenheit hat ein Ende!