schalom76 – »Glück« im Unglück

Gottes Segen für einen angegriffenen und angefeindeten Staat!

14. Mai 2024. Vor 76 Jahren wurde der Staat Israel gegründet. Vor einem Jahr hatte unser Film »#schalom75« Premiere, seither wurde er wohl um die 500 Mal gezeigt. Ab heute müsste es eigentlich »#schalom76« heißen. Aber auch »Schalom« – Frieden – fühlt sich inzwischen irgendwie falsch an!

Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich vieles verändert. Israel wurde attackiert und befindet sich im Krieg. Ein Krieg, der diesem kleinen, vielfältigen, modernen Land aufgezwungen wurde. Ein Krieg, der inzwischen von Vielen völlig zu Unrecht als »Völkermord« bezeichnet wird. Israel wird angefeindet und verurteilt – es ist kaum rational nachvollziehbar.

Die ganze Welt hat sich offensichtlich in zwei Parteien gespalten: diejenigen, die Israel hassen, und diejenigen, die zu dem Land stehen. Doch nein, es gibt auch eine dritte Partei: die Stillen, die nichts sagen, damit sie nichts Falsches sagen. Diejenigen, die nicht in die Schusslinie geraten wollen. Die Zuschauer (engl.: Bystander – »Dabeistehender«).

Auch beim »Eurovision Song Contest« am vergangenen Wochenende waren diese »Parteien« zu beobachten: Demonstranten hetzten massiv gegen Israel, laute Buh-Rufe waren in der Halle zu hören, während die Sängerin Eden Golan für Israel auftrat, von Künstler-Kollegen war unterschwellige Feindschaft zu spüren. Auf der anderen Seite: Israel hat europaweit Zuhörer mobilisiert, die der Künstlerin ihre Stimme gegeben haben. Die zweithöchste Zahl insgesamt. Es hat für den fünften Platz in der Gesamtwertung gereicht.

Und doch beschäftigt mich die dritte Partei: Die Künstler, die wenig bis nichts gesagt haben, die Veranstalter, die ganze Kultur-Blase, die so stolz ist auf ihre »Toleranz«: Wer hat denn der israelischen Sängerin Eden Golan den Rücken gestärkt, wer hat Solidarität bekundet? Der finnische Sänger Käärijä hat hinter den Kulissen unverfänglich mit der Israelin getanzt, die Szene wurde online gestellt. Daraufhin gab es Anfeindungen, es folgte der Rückzieher, eine Entschuldigung. Es kann heutzutage massiv schaden, wenn man sich an die Seite von Israelis und Juden stellt!

Wie war das eigentlich »damals«? Vor mehr als 80 Jahren, als es losging mit der Ausgrenzung von Juden? Mit der Ausgrenzung und Verfolgung, die im Holocaust endete, im industriellen Massenmord an 6 Millionen Juden! Wenige hatten ihre jüdischen Mitmenschen am Anfang offen gehasst. Aber noch weniger haben zu ihnen gehalten, an sie erinnert die »Liste der Gerechten unter den Völkern«. Die meisten haben wenig oder nichts gemacht. Denn es hätte sehr gefährlich werden können.

Ein Holocaust-Überlebender, den wir einmal interviewt haben, Ben Lesser, erwähnte diese »Zuschauer«. Es sei das größte Problem während der nationalsozialistischen Herrschaft gewesen, dass so viele Menschen einfach geschwiegen haben.

Wie hätten wir es damals gemacht? Vor einiger Zeit brachten mich ein paar wenige Worte aus dem Matthäusevangelium sehr ins Nachdenken – Jesus zitierte die Pharisäer und Schriftgelehrten, die von sich dachten: »Hätten wir zu Zeiten unserer Väter gelebt, so wären wir nicht mit ihnen schuldig geworden.« – Denken wir Deutsche der Nachkriegsgenerationen nicht genauso? Wir hätten nicht so gehandelt! Nicht wie die Nazis, nicht wie die schweigenden »Dabeistehenden«. Wirklich nicht?

Unserer Familie, unserem Ruf, unserer Unversehrtheit zuliebe: Vielleicht hätten wir uns lieber auch vornehm zurückgehalten. Repressalien gegen Regimegegner waren hart. Ist es nicht verständlich …?

Auch ich bin nicht besonders mutig. Ich war auf einer Demo in Stuttgart, die Juden haben sich gefreut, bezeichneten uns Christen mit unseren Israelfahnen und Bannern »Gerechte unter den Völkern«. Doch davon fühlte ich mich so weit weg: Bestens von der Polizei geschützt, nur ein paar wenige Pöbler auf der Königsstraße, keine unmittelbare Gefahr. Ich überlegte nach der Demo: Mit Israelfahne in die S-Bahn auf der Rückfahrt. Lieber nicht! – Wer ist denn heute viel besser als die »Dabeistehenden« damals? Nur wenige.

Wir sollten allerdings wissen: Einer steht den Juden bei, dies hat er zugesagt. Es ist der lebendige Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Der Gott, den wir als Vater anbeten und nach dessen Sohn wir uns Christen nennen.

Wir Gläubigen müssen zum jüdischen Volk halten, zum Volk Gottes, denn »das Volk Israel lebt« – »Am Israel Chai!« Dies wird immer so sein. Gott hat wieder einmal einen Einblick gegeben – in der Nacht vom 13. auf den 14. April 2024: 300 Raketen aus dem Iran wurden auf Israel abgefeuert. Es ist fast nichts passiert. Nur ein militärischer Erfolg? Oder gab es neben der »Eisernen Kuppel« auch einen »Schirm des Höchsten« (Psalm 91)? Nichts ist passiert – und deshalb ist der Angriff schon beinahe wieder vergessen. Wie auch die Geiseln, die nach über 7 Monaten immer noch in Gefangenschaft im Gazastreifen sind. Im Kampf gegen die Hamas lässt die israelische Armee größte Vorsicht walten, und wird trotzdem so hart verurteilt wie keine andere Streitmacht.

»Der Hüter Israel schläft und schlummert nicht.« – Manche Einzelheiten aus unserem Film »#schalom75« sind nicht mehr ganz aktuell. Aber die Kernbotschaft des Films, Gottes einzigartige Treue, ist aktueller denn je.

Zu Beginn des Films heißt es: »Nach einer UNO-Umfrage zählt Israel zu den Top Ten der ›glücklichsten Länder der Welt‹«. Ich war überzeugt, dass dies nach dem 7. Oktober anders sein würde. Die Überraschung: Israel ist im Ranking tatsächlich nach hinten gerutscht: Von Platz 4 auf Platz 5! Trotz Krieg. Glück im Unglück? Deutschland ist gleichzeitig von Platz 16 auf 24 gefallen …

»Wünschet Jerusalem Glück!« – so wurde Psalm 122,6 in der alten Lutherbibel übersetzt. In der neuen Version von 2017 heißt es an der gleichen Stelle: »Wünschet Jerusalem Frieden!«

Das hebräische Wort, das zuerst mit »Glück« und dann mit »Frieden« übersetzt wurde, heißt: »Schalom«. »Schalom« ist etwas tieferes als weltliches Glück, Wohlergehen oder die Abwesenheit von Krieg. Es ist eine tiefe »Zufriedenheit« durch die Nähe des lebendigen Gottes. Vielleicht erleben dies auch die weniger Frommen aus dem Volk Israel ganz unbewusst. Und wenn wir uns als Christen und als Deutsche auf diesen »Schalom Gottes« einlassen, könnten wir auch etwas zufriedener sein, sogar, wenn wir angegriffen und gehasst werden. Und wir könnten ein bisschen mutiger sein mit unserer Israel-Solidarität!

Wünschet Jerusalem – und dem Volk Israel – Gottes Schalom. Besonders heute, 76 Jahre nach der Staatsgründung!

Timo Roller

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